Chronologie (Historie und Projektablauf bis heute)

Das Hochwasserrückhaltebecken (HRB) Husen-Dalheim ist mit 3,6 Mio. m³ Stauvolumen das größte HRB des WOL. Gemeinsam mit den Becken Sudheim und Ebbinghausen ist es wesentlich für den Hochwasserschutz im Altenaueinzugsgebiet.

Mit dem Bau des HRB´s 1982-1984 nahm nach Aussage von Gewässeranwohnern das Trockenfallen der Altenau zu. In der Folge kam es zu ersten Protesten gegen den Dauerstau. Als Reaktion darauf wurde im Bereich des Dauerstaus der Seegrund mit Lehm nachträglich abgedichtet. Trotzdem wurde der Protest gegen den Dauerstau größer.


1992

Erarbeitung der ökologischen Studie Altenau im Auftrag des WOL, Hauptforderung: die ökologische Durchgängigkeit am HRB Husen-Dalheim. Folgende Beeinträchtigungen für den Lebensraum Altenau werden heraus gestellt:

  • Unterbrechung der Fischauf-und abwanderung. Laichgewässer im mindestens 14 km langen Gewässersystem oberhalb des HRB sind von der Altenau unterhalb des HRB abgetrennt.
  • Der See führt zu Wasserverlusten (Verdunstung, Versickerung), die insbesondere bei Niedrigwasserzeiten der Altenau unterhalb des HRB fehlen.
  • Durch den Geschieberückhalt fehlt sandig-kiesiges Sohlmaterial im Unterlauf als Lebensraum für Fische und Wirbellose. Der Geschiebemangel fördert die Tiefenerosion.
  • Im See erwärmtes Wasser (>5°C) führt zu weniger Sauerstoffsättigung auch im Bachwasser unterhalb des HRB. Fischarten und Wirbellose der sommerkühlen Bäche werden beeinträchtigt. Die Gewässergüte ist unterhalb des HRB um zwei Stufen schlechter als im Altenauoberlauf.
  • Der Dauerstau dämpft auch kleinere Abflussschwankungen wodurch die Gewässerdynamik stark herabgesetzt wird.

1995

Erstellung der limnologischen Studie über die Auswirkungen des Dauerstaus in der Hochwasserrückhaltung Husen-Dalheim auf die Altenau: Bestätigung der o.g. negativen Auswirkungen.


1999

Bearbeitung der Genehmigungsunterlagen für die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit. Darin Abwägung verschiedener Lösungsvarianten. Keine der Varianten erhielt die nötige Zustimmung der örtlichen Husener Bevölkerung. Für Einige war der Erhalt des Dauerstaus wichtiger als die Durchgängigkeit der Altenau. Auch eine Variante mit Restsee fand keine breite Unterstützung. Die erstellten Planunterlagen wurden auf Grund der fehlenden Akzeptanz vor Ort nicht zur Genehmigung eingereicht.


2000

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) tritt in Kraft und verpflichtet alle Mitgliedstaaten, die Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen. Die Erreichung des guten ökologischen Zustands bedingt die Herstellung des Durchgängigkeit an den Fließgewässern.


2001

Verfassung des Altenaumemorandums durch Bürger des gesamten Altenautals, in dem als Kompromiss die Herstellung der Durchgängigkeit unter Beibehaltung des Dauerstaus mit einer Fläche von 4,6 ha gefordert wurde. Das ist baulich nicht möglich. Als Reaktion auf das Memorandum richtete das Ministerium (MUNLV) einen Arbeitskreis ein. Der Arbeitskreis trifft sich bis heute 1 - 3 pro Jahr. In allen Sitzungen wurden die Teilnehmer (Behörden, Angelvereine, Heimatvereine) ausführlich über den Projektstand am HRB Husen informiert.


2004/2005

Zur Absicherung der Restseevariante (Forderung der Bezirksregierung Detmold) wurde die ökologische Stabilität eines kleineren Restsees im Nebenschluss untersucht. Die Untersuchung hatte zum Ergebnis, dass der Restsee durch gezielten Fischbesatz vor starker Veralgung etc. geschützt werden kann und dass im Zulaufbereich des Piepenbaches ein Sandfang eingerichtet werden sollte.


2006/2007

Zusammenstellung der vorhandenen Unterlagen, Abstimmung der mittlerweile veralteten Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) mit der Bezirksregierung Detmold.


2008

Beauftragung der Überarbeitung der UVS, um die naturschutzfachliche Machbarkeit der verschiedenen Varianten (Plangebiet ist FFH- und Naturschutzgebiet) sicher abzuklären. Im Rahmen der UVS wurde eine neue Planungsvariante unter Beibehaltung eines Restsees entwickelt. Die wasserbauliche Planung der Vorzugsvariante wurde ebenfalls beauftragt, jedoch in der Bearbeitung gestoppt auf Grund des fehlenden Konsenses vor Ort. Die Stadt Lichtenau bat auch um Rückstellung des Projektes bis Ende 2009, um intern die Teilnahme am Wettbewerb für die Landesgartenschau 2017 abzuwarten.


2010

Im September fand auf Grundlage der UVS im Beisein des Bürgermeisters Herrn Merschjohann ein Gespräch mit politischen Vertretern der Husener Bevölkerung statt, in dem nochmals die Notwendigkeit zur Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit erläutert wurde. Im November 2010 erklärte sich das Gremium mit der Herstellung der Durchgängigkeit unter Beibehaltung der bestehenden Seefläche einverstanden (das ist baulich nicht möglich). Aus Mitgliedern der Verbandsversammlung wurde ein Arbeitskreis für das Projekt gebildet und in mehreren Sitzungen herausgearbeitet, dass er sich für die Planungsvariante des UVS ausspricht.


2011

Im Juni fand eine Bürgerversammlung in Husen statt. Auf der Bürgerversammlung konnte insbesondere durch die Moderation von Landrat Müller die Akzeptanz für die Planungsvariante der UVS erreicht werden (Beibehaltung eines 1,6 ha großen Restsees). Damit wurde der Durchbruch für die Einleitung des Genehmigungsverfahrens erreicht. Das Ergebnis wurde anschließend in der lokalen Presse erläutert. Die Verbandsversammlung des WOL sprach sich dann im November ebenfalls für die Variante aus.


2012

Im Januar wurden die weiteren naturschutzrechtlichen Planungen (FFH-Verträglichkeit, Artenschutzfachbeitrag, landschaftspflegerischer Begleitplan) beauftragt und die Bearbeitung der wasserbaulichen Planungen wieder aufgenommen. Im September 2012 wurde nach Bekanntwerden der Edelkrebspopulation im HRB durch einen Hinweis des Angelvereins die Untersuchung im Rahmen der o. g. Planungen ebenfalls beauftragt. Die gesamten Planunterlagen wurden am 13.03.12 in Husen Ratsmitgliedern, Vertretern des Angelvereins und des Heimatvereins vorgestellt.


2013

Im März stellte der WOL den Antrag zur Änderung des Planfeststellungsbeschlusses. Die gesamten Planungsunterlagen lagen vom 22.04. bis zum 21.05.2013 bei der Stadt Lichtenau öffentlich aus, um allen Bürgern die Möglichkeit zur Abgabe einer Stellungnahme zu geben. Es wurden keine Einwände erhoben. Im Mai 2013 wurde der Maßnahmenplan in der Presse (Neue Westfälische) veröffentlicht. Ende Oktober 2013 wurde von der Bezirksregierung Detmold der Planfeststellungsbeschluss erteilt. Darin sind auch genaue Vorgaben für die Umsiedlung der Edelkrebsbestände und die Abfischung enthalten. Im November 2013 musste das Projekt auf Grund der im Planungsprozess festgestellten Mehrkosten erneut in der Verbandsversammlung des WOL beschlossen werden. Anschließend wurde direkt der Zuwendungsantrag bei der Bezirksregierung gestellt.

2014

Im März 2014 wurde der Ortsvorsteher von Husen, Herr Janzen, per E-Mail vom WOL über den geplanten weiteren Projektablauf informiert. Darin wurde mitgeteilt, dass im August der Dauerstau abgelassen und die Fische und Edelkrebse umgesiedelt werden sollen.


Im Mai 2014 wurde der Auftrag zur Durchführung aller notwendigen Arbeiten zum Umsetzen des Edelkrebsbestandes und des Fischbestandes beim Ablassen des Dauerstaus an das Planungsbüro NZO-GmbH aus Bielefeld erteilt. Das Büro hat Anfang Juli 2014 mit dem Angelverein Kontakt aufgenommen.


Am 09.07.2014 fand eine Sitzung des Arbeitskreises Altenau (AK) statt, an der Vertreter der Husener Bevölkerung teilgenommen haben. Auf der Versammlung wurde der Projektstand erläutert und zugesagt, einen öffentlichen Ortstermin durchzuführen, sobald technisch geklärt ist, wie der Dauersee möglichst schonend für die Altenau (u. a. Vermeidung von Beeinträchtigungen durch Seeschlamm) abgelassen werden kann. Außerdem wurde dem Wunsch des AK entsprochen, eine projektbegleitende Internetseite einzurichten.


Am 15.07.2014 fand ein Abstimmungstermin zur Umsiedlung der Edelkrebse und des Fischbestandes mit dem Kreis Paderborn (Untere Landschafts- und Untere Fischereibehörde) und dem Kreisfischereiberater statt, zu dem auch Vertreter Husener Angelvereins eingeladen waren. Danach hat es noch mehrfach Abstimmungsgespräche zwischen dem Ingenieurbüro und dem Angelverein gegeben.


Am 23. und 24.07.2014 fanden Treffen mit dem Angelverein vor Ort im Rahmen einer Stellnetz- und Elektrobefischung statt. Dabei wurde der Angelverein auch noch einmal informiert, dass das Ablassen Ende August beginnen könnte.


Das Ingenieurbüro hat sich zeitgleich um Abnehmer für die zu entnehmenden Fische gekümmert und mit einem örtlichen Fachunternehmen die Umsiedlung vorbereitet.


Am 18.08.2014 gelang mit Hilfe eines Tauchers der Einbau einer Stahlplatte vor dem Seeablassschieber. Dadurch kann ein Großteil des Seeschlamms beim Ablassen zurückgehalten werden. Gleichzeitig wurde vom WOL beschlossen, das Ablassen am 25.08.2014 zu beginnen (Abfischung sollte ab dem 27.08.2014 beginnen). Auf Grund der zu spät versandten formal erforderlichen schriftlichen Mitteilung an die Fischereigenossenschaft musste der Beginn des Ablassens um eine Woche auf den 01.09.2014 verschoben werden.


Ende August 2014 hat die Bezirksregierung Detmold den Zuwendungsbescheid für das Projekt erteilt (2,95 Mio. € Gesamtkosten, 2,36 Mio. € Fördergelder des Landes NRW).


Nächster Arbeitsschritt ist die Beauftragung der Detailplanung und der Ausschreibungsunterlagen.


2015-16

Bauliche Umsetzung der Maßnahme.


Der Wasserverband Obere Lippe hat zur Umsetzung der WRRL mit finanzieller Förderung des Landes NRW (80% Förderhöhe) von der Mündung der Altenau in Borchen bis zur Quelle nach Blankenrode an 48 Querbauwerken die ökologische Durchgängigkeit hergestellt. Das HRB Husen ist das letzte große Bauwerk, an dem die Durchgängigkeit nicht gegeben ist.


Durch alle geplanten Maßnahmen ist die Hochwasserschutzfunktion des HRB an keiner Stelle beeinträchtigt.

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