Umsiedeln der Edelkrebse

Edelkrebs aus dem HRB Husen-Dalheim

Der See des Hauptstaus wird von einer Population des Edelkrebses (Astacus astacus) besiedelt. Diese Tiere werden in andere Gewässer umgesiedelt. Fragen rund um dieses Thema werden auf dieser Seite beantwortet.

 

Die Ergebnisse der Krebsumsiedlung vom Sommer 2014 finden Sie in einer Präsentation vom Bürgerinformationstermin am 14.01.2015.

Wie ist die Bestandssituation der Krebse in NRW?

Der Edelkrebs oder Europäische Flusskrebs Astacus astacus gehört zu den sehr stark bedrohten Tierarten in Deutschland. In Nordrhein-Westfalen ist er auf der Roten Liste mit der Gefährdungsstufe 1 („vom Aussterben bedroht“) gekennzeichnet (Groß et al. 2010).

A. astacus ist der größte unter den in Europa heimischen Krebsarten. Er kam ursprünglich in allen Landesteilen von NRW häufig vor. Die Bestände der heimischen Krebsart sind heute auf einen Bruchteil der ursprünglichen Größe zurückgegangen und weiterhin erheblich gefährdet. Der Hauptgrund ist in der „Krebspest“ zu sehen, einer Krankheit, die von amerikanischen Flusskrebsarten übertragen wird. Amerikanische Flusskrebse werden u. a. über den Zoofachhandel vertrieben und gelangen in großer Zahl in unsere Gewässer. Für europäische Flusskrebsarten ist die Krebspest im Gegensatz zu den amerikanischen Arten immer tödlich. Sie kann ganze Populationen in kurzer Zeit vernichten (Groß et al. 2010).

Stabile Populationen des Edelkrebses findet man nur noch in sehr wenigen Gewässern Nordrhein-Westfalens. Der größte Teil der bekannten Edelkrebsvorkommen ist im Bergland zu finden, da besonders in isolierten Oberläufen von Fließgewässern Edelkrebsbestände überlebt haben. Auch in der Region sind noch verschiedene Populationen vorhanden. Die weitaus bestandsstärkste befindet sich in der Aabach-Talsperre und ihren Zuläufen im Einzugsbereich der Afte, einem Nebengewässer der Alme.

Wie viele Tiere leben im HRB Husen-Dalheim?

Mit solchen Reusen werden die Krebse gefangen

Im Husener Stausee sind zahlreiche Edelkrebse vorhanden. Eine orientierende Erfassung im Oktober 2012 (NZO-GmbH 2012) sowie Reusenfänge im Juli und August 2014 zeigten einen ausgewogenen Populationsaufbau. In der Zeit vom 24.07.-22.08.2014 wurden insgesamt 383 Tiere gefangen, davon zu 58% Weibchen und zu 42% Männchen. Der Tierfang wird aktuell fortgesetzt. Bis zu 43 Reusen gleichzeitig wurden an bisher mehr als 10 Terminen eingesetzt. Da die Zahl gefangener Tiere derzeit deutlich zurückgeht, kann davon ausgegangen werden, dass der weitaus größte Teil der Population mittlerweile gefangen werden konnte. Verbliebene Tiere werden im Rahmen des Seeablassens entnommen.

Warum findet die Krebsentnahme im Sommer statt?

Krebse sind vor allem im Sommer aktiv. Im Spätherbst (nach der Paarungszeit) und Winter sind sie träge und ziehen sich in Wohnhöhlen oder unter Steine, Wurzeln u. Ä. zurück. Sie könnten im Winterhalbjahr nicht gefangen und auch kaum aufgefunden werden. Ein Ablassen des Sees zu dieser Zeit wäre für sie tödlich.

Wohin werden die gefangenen Krebse umgesiedelt?

Die Krebse werden in geeignete Lebensräume umgesetzt

Durch das Ablassen entfällt der See als Lebensraum für die darin lebenden Tiere. In enger Abstimmung mit der Bezirksregierung Detmold, dem Edelkrebsprojekt NRW und der unteren Landschaftsbehörde des Kreises Paderborn wurden die gefangenen Krebse in zahlreiche verschiedene bis dahin krebsfreie Gewässer umgesiedelt. Dabei handelt es sich um überwiegend um naturnahe Stillgewässer (Teiche). Teile der Population wurden auch in die Altenau oberhalb des Rückhaltebeckens verbracht. Diese Tiere können zukünftig auch Gewässerabschnitte unterhalb des HRB besiedeln, da sich dort erhebliche Qualitätsverbesserungen einstellen werden.

Gefährdet das Ablassen des Sees die Krebspopulation im Altenaugebiet?

Die größte Gefahr besteht durch einen möglichen Kontakt mit amerikanischen Flusskrebsen, die sich in unseren Fließgewässern ausbreiten. Krankheitserreger können aber zum Beispiel auch über nicht desinfizierte Stiefel oder Angelgerät in bis dahin unbelastete Gewässer gelangen.

Sobald die Durchgängigkeit des HRB Husen hergestellt ist, kann grundsätzlich ein Aufwandern der amerikanischen Flusskrebse in die obere Altenau nicht mehr ausgeschlossen werden. Aufgrund des sommerlichen Trockenfallens der mittleren Altenau wird dies voraussichtlich aber nur verzögert, wenn überhaupt, geschehen.

Darüber hinaus wird das Risiko möglicher Gefährdungen durch die Aufteilung der Tiere auf zahlreiche verschiedene Gewässer stark minimiert.

Sollte der Dauerstau zum Schutz der Krebse nicht lieber erhalten werden?

In Abwägung mit den großen Problemen, die der bestehende Dauerstau für die übrige Lebensgemeinschaft der Altenau bedeutet, ist in Abstimmung mit den o. g. Fachbehörden und Fachstellen entschieden worden, der Lösung dieser Probleme Vorrang vor dem Erhalt der Krebspopulation im Dauerstau einzuräumen. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass es sich bei dem Stausee um einen sog. Sekundärbiotop handelt, also einen künstlich hergestellten Lebensraum.

Quellen:

Groß, H., Burk, C., Feldhaus, G., Mellin, A. Darschnik, S., Niepagenkemper, O. (2010): Rote Liste und Artenverzeichnis der Flusskrebse - Astacidae et Cambaridae - in Nordrhein-Westfalen. 2. Fassung, Stand Juli 2010

NZO-GmbH (2012): Erfassung von Edelkrebsen (Astacus astacus) im Hochwasserrückhaltebecken der Altenau in Husen-Dalheim. Untersuchung im Auftrag des Wasserverbandes Obere Lippe.

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